Motivation

Die Allgegenwärtigkeit von Technik im Alltag macht es für Personen mit ganz unterschiedlichem Bildungshintergrund und Zugehörigkeit zu verschiedensten Disziplinen und Berufsgruppen notwendig, technische Zusammenhänge zu verstehen, um an den technischen Errungenschaften teilhaben zu können. Dies gilt insbesondere für Smart-Grid-Technologien, die der Akzeptanz großer Bevölkerungsschichten bedürfen. Smart Grids als „intelligent[e] Energienetzwerk[e] und Regelsystem[e] aus intelligenten Erzeugern, Speichereinrichtungen, Verbrauchern und Transporteinrichtungen mit der Unterstützung von Informations- und Kommunikationstechnologie als auch Automatisierungstechnologien“ [DKE] sind dabei sehr komplex: Eine Vielzahl von Sprechergruppen aus unterschiedlichen Disziplinen kommen hier zusammen und definieren gemeinsam mit unterschiedlichen Sachkenntnissen und Fachsprachen die Infrastruktur der neuen Technologie (z.B. Energiewirtschaft, Hausautomation, E-Mobility, Installationstechnik, Energiewirtschaftsrecht und Eichrecht, Informatik, Ingenieurwissen-schaften, Elektrotechnik, aber auch z.B. Psychologie, Soziologie etc.).

Im Rahmen dieser neuen, die Energiewende fördernden Infrastruktur werden dabei immer mehr Verbraucher (z.B. durch Photovoltaik) selbst auch zu Stromproduzenten und damit zu einer neuen Gruppe von Marktakteuren. Am Gesamtsystem sind somit eine Vielzahl von Parteien beteiligt: reine Verbraucher, Prosumer (Amalgamierung aus producer und consumer), Netzbetreiber, Kraftwerksbetreiber und die Betreiber von KWK-Anlagen, Photovoltaikanlagen, solarthermischen Kraftwerken, Windkraftanlagen, Biogasanlagen sowie Speicherkraftwerken. Nicht nur die Experten, sondern auch die Endanwender dieser verteilten Netze müssen dementsprechend eine gewisse Handlungskompetenz mitbringen, um sich in diesem System aktiv beteiligen zu können.

Diese Handlungskompetenz schließt auch eine sprachliche Kompetenz auf Rezeptions- und Produktionsebene mit ein, denn nicht nur als Endverbraucher ist man bei der Einführung neuer Technologien überwiegend auf sprachliche Vermittlung angewiesen: Es erfordert sprachlichen Austausch, um die Funktionsweisen und Zusammenhänge einzelner Komponenten zu verdeutlichen und das Wissen über technische Systeme zu vermitteln. Endverbraucher verfolgen dabei jedoch noch einmal eine ganz andere Perspektive: Sie sind nicht primär an einer vollständigen fachwissenschaftlichen Erklärung interessiert, die einheitlichen und konsistenten Gebrauch einer präzise ausdifferenzierenden Fachsprache macht. Vielmehr möchten sie situationsgebunden einen intuitiven sprachlichen Schlüssel für ihre Probleme oder Erkenntnisinteressen erhalten. Oft wählen die Endverbraucher zur Beschreibung dieser Erkenntnissinteressen intuitiv gebildete ad-hoc-Benennungen oder paraphrasieren das Gemeinte. Mit diesem Hintergrund stellt sich mit Bezug auf Smart Grids die Frage, wie deren gesamtgesellschaftliche Etablierung sprachlich unterstützt werden kann, indem der sprachliche Zugang zum Thema möglichst unkompliziert erfolgt. Hierfür müssen die folgenden Fragen geklärt werden: Was assoziiert ein Laie intuitiv mit der Terminologie und wie können diese Assoziationen interpretiert werden? Wie können Benennungen von vornherein endverbraucherfreundlich gestaltet werden?